Wer hat entschieden, wann das Jahr beginnt?
Über Mond, Sonne und Jahreszeiten - und warum unser Jahresanfang mitten im Winter liegt.
Wir nehmen den 1. Januar als Jahresbeginn heute selbstverständlich hin. Doch wenn man einmal innehält und den eigenen Körper fragt, spürt man schnell: Der Winter fühlt sich nicht nach Anfang an.
Er fühlt sich nach Ruhe an. Nach Stillstand, Rückzug, Sammeln, Loslassen. Nicht nach Aufbruch und Bauen.
Für mich war es deshalb immer irritierend, dass unser offizielles Jahr mitten in der dunkelsten Zeit beginnt – und nicht dort, wo die Natur erwacht, wo alles grünt, sprießt und sich wie Neubeginn anfühlt: im Frühling.
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Genau so - im Frühling - hat das Jahr ursprünglich begonnen.
Mond - Jin Shin Jyutsu-Griff
Der Mond ist dem Sternzeichen Krebs “ich fühle” zugeordnet. Du kannst die Qualitäten des Mondes/Krebses harmonisieren, indem du deinen rechten oder linken Daumen hältst.
Die älteste Zeitmessung: Der Mond als natürlicher Taktgeber
Lange bevor Menschen astronomische Erkenntnisse hatten, war der Mond der klarste Rhythmus, den man am Himmel beobachten konnte.
Seine Phasen wiederholen sich ungefähr alle 29,5 Tage – sichtbar, zuverlässig, fühlbar.
Aus diesen wiederkehrenden Phasen entstanden die frühesten Kalender:
• 12 Mondmonate
• etwa 354 Tage
• Rituale, Feste, Aussaat und Ernte orientierten sich daran
Doch schon früh bemerkten Menschen: Der Mondmonat passt nicht zum Jahreslauf.
Der Frühling rutschte langsam nach hinten, Feste wanderten durch die Jahreszeiten, und das Mondjahr driftete immer weiter vom Naturjahr ab.
Sonne - Jin Shin Jyutsu-Griff
Die Sonne ist dem Sternzeichen Löwen “ich strahle” zugeordnet. Du kannst die Qualitäten der Sonne/des Löwen harmonisieren, indem du deinen rechten oder linken kleinen Finger hältst.
Die Entdeckung der Sonnenzyklen: Frühling, Sommer, Herbst, Winter
Mit der Zeit richteten sich Kulturen zusätzlich nach der Sonne. Sie beobachteten die vier großen Sonnenpunkte:
• Frühlings-Tagundnachtgleiche – der klare Anfang des Naturjahres
• Sommer-Sonnenwende – die höchste Kraft des Lichts
• Herbst-Tagundnachtgleiche – das Gleichgewicht
• Winter-Sonnenwende – die Wiedergeburt des Lichts
Aus dieser Beobachtung heraus ergab sich ein ganzheitliches Jahresbild: Ein Zyklus von Erwachen, Wachstum, Reife und Ruhe. Und dieser Zyklus begann im Frühling – mit dem Aufblühen der Natur.
Jahreszeit - Frühling
Im Jin Shin Jyutsu ist der Frühling mit der 3. Tiefe verbunden. Du kannst für die Qualität des Frühlings (Neubeginn, in Bewegung kommen) deinen Mittelfinger halten.
Der ursprüngliche römische Kalender: Ein Jahr, das mit dem Leben ging
Die frühen Römer orientierten sich genau an diesem natürlichen Rhythmus. Ihr Jahr begann im März, und die ersten vier Monate trugen göttliche Bedeutungen:
• März (Martius, 8. Jh. v. Chr.) – Mars, Kraft & Neubeginn
• April (Aprilis) – Öffnung, das Aufbrechen der Natur
• Mai (Maius) – Maia, Fruchtbarkeit
• Juni (Iunius) – Juno, Verbindung, Familie
Die Monate danach waren rein nummeriert:
Quintilis (5.), Sextilis (6.), September (7.), Oktober (8.), November (9.), Dezember (10.)
Nach Dezember folgte keine neue Zählung. Man wartete einfach, bis die Natur wieder erwachte. Der Winter war eine Schwellenzeit. Keine großen Feste, keine großen Arbeiten – nur Dunkelheit, Rückzug und das, was heute vielen fehlt: Zeit zum Sein.
Das Leben folgte seinem natürlichen Zyklus:
Frühling → Neubeginn
Sommer → Aktivität
Herbst → Ernte
Winter → Ruhe
Jahreszeit - Winter
Im Jin Shin Jyutsu ist der Winter mit der 4. Tiefe verbunden. Du kannst für die Qualität des Winters (Ruhe, Transformation) deinen Zeigefinger halten.
Januar & Februar: Ein später Zusatz – aber nicht als Jahresbeginn gedacht
Erst im 7. Jahrhundert v. Chr. fügte der römische König Numa Pompilius zwei weitere Monate ein:
• Januar (Ianuarius) – nach Janus, Gott der Übergänge
• Februar (Februarius) – Reinigungsrituale, Loslassen
Wichtig ist: Das Jahr begann weiterhin im März. Januar und Februar waren Wintermonate - eine stille Zeit am Rande des Jahres.
Warum wir heute am 1. Januar starten: ein politischer Beschluss
Erst 153 v. Chr. entschied der römische Senat, das neue Jahr aus rein administrativen Gründen auf den 1. Januar zu legen – damit die Amtszeit der Konsuln einheitlich begann. Es war keine spirituelle, kosmische oder naturverbundene Entscheidung. Es war eine politische.
Mit der julianischen Reform (45 v. Chr.) wurden schließlich die Monatslängen festgelegt und Quintilis → Juli (Julius Caesar) Sextilis → August (Kaiser Augustus)
Damit entstand der Kalender, den wir heute benutzen – er basiert auf Mond, Sonne und Jahreszeiten, aber Politik und Pragmatismus haben ihm vor langer Zeit den Januar als Startpunkt verpasst. - Hoppla, kein Wunder also, dass sich der offizielle Jahresbeginn für mich irgendwie absurd anfühlt. ;-)
Fazit: Und was bedeutet das für uns heute?
Wenn unser Jahresbeginn aus politischen Entscheidungen und praktischen Vereinbarungen entstanden ist, dürfen wir uns daran erinnern, dass unser innerer Rhythmus einem anderen Takt folgt.
Heute leben wir oft in einem Tempo, das kaum noch dem natürlichen Jahreslauf entspricht: Wir arbeiten oft zu viel, konsumieren und erleben alles gleichzeitig – alles ist jederzeit und überall möglich. Selbst die Zeit, die eigentlich der Ruhe dienen könnte, wie Urlaub oder freie Tage, wird oft aktiv gefüllt, immer wieder etwas erlebt, immer etwas unternommen.
Vor langer Zeit war das anders: Es gab Phasen des Wartens, des Stillstands, des Nichts-Tuns. Genau diese Winterzeit, in der Natur und Mensch gleichermaßen zur Ruhe kamen, fällt in unserem modernen Leben oft weg und uns zudem auch oft schwer.
Doch unser Körper erinnert sich: Wir brauchen die Dunkelheit, die Ruhe, den Rückzug – einfach nur Sein, das uns nährt und regeneriert. Ursprünglich diente der Winter genau dafür: als Zeit der Reinigung, des ordnenden Rückzugs und der inneren Neuausrichtung.
Winterliche Qualitäten müssen nicht an eine Jahreszeit gebunden sein. Sie dürfen immer dann Raum bekommen, wenn das Leben nach Ruhe ruft. Auch wenn es uns oft leichter fällt, diese Ruhe wirklich zu spüren, wenn draußen die Welt still ist oder sich ein Schneechaos ausbreitet. Dann zeigt sich: Einfach da zu sein, bewusst zu spüren und loszulassen, kann unglaublich wohltuend sein.
Und übrigens: Genau für diese WOHLFÜHL-WINTER-ENERGIE entsteht gerade mein Kartenset: Es lädt dazu ein, sich bewusst Zeit für diese Qualität zu nehmen, den eigenen Rhythmus wahrzunehmen und Ruhe, Sammlung und Klarheit wieder zu entdecken – begleitet von einfachen Energiegriffen, die diesen Prozess sanft unterstützen. Interessiert es dich? Sobald das Set fertig ist, teile ich es im nächsten Newsletter. Hier kannst du dich zu meinem Newsletter anmelden und das Set dann als Erste:r entdecken.
Und wenn du noch tiefer in Ruhe, Entspannung und Regeneration eintauchen möchtest, biete ich individuelle Jin Shin Jyutsu Behandlungen an, die genau diesen Raum für dich öffnen. Lust auf eine hochwertige Winterschlaf-Sequenz? ;-)
Nimm dir Zeit für ein bisschen Winterruhe – alles Liebe,
Nadine

